Loa Wild: Sie bräuchte einen Ausweis für die Überholspur

Loa Wild: Sie bräuchte einen Ausweis für die Überholspur

In Uri gründete sie die JGLP bevor es dort die Mutterpartei gab, jetzt sitzt sie mit am Steuer der GLP Schweiz – Präsidentin JGLP und Urner Landrätin

Der Standort ist symbolträchtig. Auto um Auto rast Richtung Tessin oder vom Süden Richtung Norden. Hinter der Autobahn ragen Berge auf. Blickt man in die andere Richtung, stehen da ein Stall und Wiesen, aber dahinter begrenzen erneut Berge die Sicht. «Willkommen im Kanton Uri, willkommen in Erstfeld», begrüsst Loa Wild die Besucher.  

 

Die Urnerin bräuchte eigentlich einen speziellen Führerschein. Einen nur für die Überholspur: Loa hat in ihrem Kanton die JGLP mitgegründet, bevor es eine Mutterpartei gab. Als letzte fehlende Kantonalpartei schloss die GLP Uri erst im Frühling 2022 diese Lücke in der Schweiz. 

 

Heute präsidiert Loa die nationale JGLP und sitzt in der Geschäftsleitung der GLP Schweiz. Sie studiert in Zürich, wohnt in Schlieren, kommt aber immer wieder zu ihren Eltern nach Altdorf. Hier sitzt sie schliesslich im Landrat, also im Kantonsparlament.  

 

Hat die 22-jährige Loa nur Politik im Kopf? 

«Nicht nur. Eine grosse Leidenschaft ist auch die Musik», sagt sie. Keine zwei Wochen lang habe sie es in ihrer Zürcher WG ohne Keyboard ausgehalten, erzählt sie. «Dann habe ich es zügeln müssen.» 

 

Zum Stall hat Loa nicht geladen, um über biodynamische Landwirtschaft zu referieren, sondern um ihrem Hobby zu frönen. Im Landwirtschaftsgebäude ist ein fast halbprofessionelles Studio untergebracht. Gleich kommt Nico dazu, ihr Produzent, der noch rasch Getränke besorgt hat. 

 

Nun sitzt Loa am Klavier, spielt dann einige Akkorde am Keyboard, damit ihr Produzent auf seinem Computer die Grundmelodie aufnehmen kann und schon singt die Politikerin vor dem Mikrophon. 

 

Nein, in viele Mikros sprechen musste sie noch nicht, seit sie am 21. Februar zur Präsidentin der nationalen Jungpartei aufgestiegen ist. Aber der «Blick» war da. Der Artikel über sie hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst. «Viele Leute, die ich schon jahrelang nicht mehr gesehen habe, haben sich deswegen bei mir gemeldet», freut sie sich. 

 

Sie beschreibt sich als ein Mensch, der das Glück habe, viele verschiedene Dinge auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen. «Und ich versuche dann das weiterzumachen, das ich kann.» Singen zum Beispiel. 

 

Loa bezeichnet ihren Stil als Tagebuch- oder Storytelling-Musik. «Sie entsteht einfach, wenn ich am Klavier bin. Wenn ich mir etwas selber erzähle.» Dann verpacke sie das mit ihrem Produzenten Nico experimentell. «Meistens in Richtung Indie-Pop.» 

 

«Ich werde wohl mit 50 noch hier sein» 

In der Politik sei ihr die psychische Gesundheit wichtig. «Ich studiere ja Psychologie im Hauptfach und Politologie im Nebenfach.» Ansonsten hat sie sich die Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Dabei gehe es ihr genauso um finanzielle Nachhaltigkeit, wie die soziale und natürlich die ökologische Nachhaltigkeit. «Ich bin ja noch jung. Ich werde wohl in 50 Jahren noch hier sein. Ich gehöre zur Generation, die mit dem Klimawandel leben muss. Es ist mir extrem wichtig, dass wir uns schon jetzt bewusst sind, da ist eine Krise deren Konsequenzen wir tragen müssen.» Es sei an uns allen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern zu handeln. 

 

Beim anschliessenden Gang durch Altdorfer Altstadt zeigt die Jungpolitikerin dennoch das, was die Jungen auszeichnet – und die Älteren neidig macht: diese Unbeschwertheit. «Ich plane überhaupt nicht. Das sieht man an den letzten fünf Jahren: Ich hätte doch 2021 nie sagen können, wo ich stehe. Ich mache das, was mir Spass macht, was mich erfüllt. Wo ich etwas bewegen kann.» Das sei ihre Lebensphilosophie, so Loa vor dem Rathaus, in welchem sie im Urner Landrat Politik im Sinn der GLP macht. Es ist halt so gekommen. Ja, auch Politik sei eben ihre Leidenschaft.