Sie ist am Thunersee aufgewachsen und wohnt noch immer am See. Das hat die Berner Oberländerin geprägt. Die Nationalrätin und ETH-Umweltingenieurin ist heute im Wasserbau tätig. Wo sie früher gebadet und Tiere beobachtet hat, wo sie im Winter Schlittschuhlaufen war, ist sie heute mit anderen Augen unterwegs. Mit der einer Wissenschaftlerin.
Ihr liegt die Artenvielfalt und der Naturschutz am Herzen. Zentral ist für Fabienne Stämpfli, die Gewässer möglichst sauber zu halten. Denn dank Abwasserreinigungsanlagen und dem Phosphatverbot in Waschmitteln haben sich unsere Flüsse und Seen in den letzten Jahrzehnten deutlich erholt. Zwar haben die Seen im Mittelland noch immer mit deutlich zu hohen Nährstoffeinträgen zu kämpfen, beispielsweise wegen intensiver Tierhaltung in diesen Gebieten, doch auf den ersten Blick geht es unseren Gewässern heute besser.
Unser Alltag fordert die Gewässer
Die Bundesstadt ist bekannt für ihren Aareschwumm. Das sommerliche Baden in der Flussschlaufe rund um die Berner Altstadt ist derart beliebt, dass damit schon touristisch geworben wird. Ja mit dem «Aare Guru» hat der Aareschwumm gar eineigenes App, das vermeldet, wenn es «Spaghetti-Wasser» gibt, bei dem selbst Gförlis zum Schwimmen animiert werden.
Das alles darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser Alltag die Wasserqualität stark belastet. Unser Nahrungsverhalten bedingt eine intensive Landwirtschaft. Gülle und Dünger haben vielerorts eine viel zu hohe Nitratbelastung der Gewässer zur Folge. Und Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Rückstände aus der Human- und Tiermedizin, Industrie- und Haushaltabwasser, sowie Mikroplastik beispielsweise von Reifenabrieb führt zu zahlreichen Verunreinigungen, die unsere Wasserorganismen schädigen und Fische belasten können.
Schlagzeilen machten jüngst auch PFAS, die sogenannten Ewigkeitschemikalien, die auch beim Menschen das Krebsrisiko erhöhen können. In Stämpflis Region ist man zudem auf eine zunehmende Unfruchtbarkeit führen gestossen. «Woher diese herrührt, muss unbedingt untersucht werden. 80 Prozent des Trinkwassers der Grossregion Bern kommt ursprünglich aus dem Aare- und Emmental. Gibt es einen Zusammenhang? Genau das will man bislang aber nicht analysieren», so die GLP-Politikerin.
Wasser soll unbedenklich sein
Wo Fische genau untersucht würden, dürften sie oft nicht mehr verkauft werden. «Ich verstehe natürlich, dass verschiedene Leute hier nicht genau hinschauen wollen. Das kann aber unsere Gesundheit gefährden. Und ist kurzfristig gedacht», betont Stämpfli.
Sie will nicht auf Alarmismus machen. «Sondern den Hinweisen auf mögliche Probleme nachgehen und wenn diese tatsächlich bestehen, die Ursache eruieren.» Es gehe nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, sondern den kommenden Generationen möglichst naturnahe und saubere Gewässer zu hinterlassen, die Krebse, Muscheln, Wasservögeln, Bibern und Libellen eine Lebensgrundlage bieten und zu Grundwasser führen, das unsere Gesundheit nicht gefährdet.