Den Vorschlag des Bundesrates zur Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Schweizerinnen
lehnt die GLP nicht ab, er ist aus ihrer Sicht jedoch mutlos und unzureichend. Denn er trägt weder substanziell
zur langfristigen Lösung der Alimentierungsprobleme bei Armee und Zivilschutz bei, noch ist zu erwarten, dass
er den Frauenanteil spürbar erhöht.
Vielmehr bräuchte es dafür ein Dienstmodell, welches die Attraktivität des Dienstes für Männer und für Frauen
klar verbessert, aber zugleich anerkennt, dass Schutz, Resilienz und Krisenvorsorge eine gemeinsame Verant
wortung sind. Gefordert sind flexiblere, attraktivere Dienstmodelle, welche eine bessere Vereinbarkeit mit Aus
bildung, Studium, Beruf und Familie ermöglichen sowie einen grösseren Mehrwert der im Dienst erworbenen
Kompetenzen für die zivile Arbeitswelt bieten und allen sicherheitspolitischen Anforderungen gerecht werden.
Diesen Ansprüchen wird am ehesten ein allgemeiner, bedarfsorientierter Sicherheitsdienst für beide Ge
schlechter gerecht, welcher neben dem bewaffneten Militärdienst explizit auch andere Dienstformen in den
Bereichen Katastrophenhilfe, Gesundheitsversorgung, Logistik, Betreuung bis zum Schutz kritischer Infrastruk
turen vorsieht. Bei einer höheren Anzahl Dienstpflichtigen, aber ähnlich hohen effektiv Dienstleistenden,
könnte eine Rekrutierung besser auf Fähigkeiten, Motivation und den sicherheitspolitischen Bedarf eingehen.
Synergien mit dem zivilen Beruf könnten genutzt werden, um zugleich kürzere Dienste oder Wiederholungs
kurse zu ermöglichen, aber auch die Attraktivität des Dienstes zu erhöhen. Neben einem allgemeinen, bedarfs
orientierten Sicherheitsdienst wären jedoch auch weniger weitgehende Formen einer allgemeinen Dienst
pflicht zu prüfen, wie bspw. eine Schutzdienstpflicht in den Bereichen Katastrophenhilfe, Gesundheitsversor
gung, Logistik, Betreuung und Schutz kritischer Infrastrukturen für alle Schweizer und Schweizerinnen, welche
keinen Militär- oder Zivildienst leisten. Auch das VBS selbst kommt in seinem Bericht zur Weiterentwicklung
des Dienstpflichtsystems vom 15. Januar 2025 zum Schluss, dass eine allgemeine bedarfsorientierte Dienst
pflicht gegenüber anderen Dienstmodellen besser abschneidet mit Bezug auf die Alimentierung von Armee und
Zivilschutz, mit Bezug auf die Dienstgerechtigkeit unter Einbezug der Gleichstellung der Geschlechter und mit
Bezug auf die Finanzierung.
Die GLP fordert den Bundesrat deshalb auf, nicht beim Vorschlag eines obligatorischen Orientierungstags für
Frauen zu verbleiben, sondern mögliche Formen einer bedarfsorientierten, allgemeinen Dienstpflicht im Rah
men der anstehenden Vernehmlassung zu einer Sicherheitsdienstpflicht in Erfüllung der Motionen 25.3015 und
25.3420 zur Diskussion zu stellen und das Alimentierungsproblem effektiv anzugehen.