Welche Bedeutung hat Erasmus+ für unsere Bildung?

Die Schweiz nimmt heute nicht vollständig am europäischen Mobilitätsprogramm Erasmus+ teil, obwohl dies das nach den Turbulenzen infolge der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wieder möglich wäre. Die Schweizer Sonderlösung zu Erasmus+ bietet weniger Möglichkeiten zur Gestaltung, Partizipation und Vernetzung. Deshalb setzen wir uns für die vollständige Teilnahme am Folgeprogramm des europäischen Mobilitätsprogramms Erasmus+ ab 2021 ein. Wir betrachten diese Teilnahme als grosse und wichtige Chance für unser Land und insbesondere die jüngeren Generationen.

Nachdem 2014 die Masseneinwanderungsinitiative knapp angenommen wurde, wurden die Verhandlungen für eine vollständig Beteiligung der Schweiz am europäischen Mobilitätsprogramm Erasmus+ wegen nicht-Ratifizierung des Zusatzprotokolls für die Personenfreizügigkeit mit Kroatien abgebrochen. Die Schweiz nimmt deshalb an den Aktivitäten des Bildungsprogramms Erasmus+ nur als nicht assoziiertes Drittland teil. Seit Ende 2016 ist klar, dass eine Vollassoziierung wieder möglich wäre. Ende 2017 hat das Parlament mit einer Motion den Bundesrat beauftragt, Verhandlungen für eine Vollassoziierung an Erasmus+ aufzunehmen. Leider wurde diese Motion bis heute noch nicht umgesetzt.

 

Für die Zukunft der Schweiz ist es von herausragender Bedeutung, dass sie ihre führende Rolle in den Bereichen Bildung, Forschung, und Innovation erhalten und im internationalen Wettbewerb stärken kann. Kompetenzen und Erfahrungen, die besonders jüngere Menschen während einem Auslandaufenthalt gewinnen, sind wesentliche Vorteile auf dem internationalen, globalen Arbeitsmarkt. Sprachkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen, Kenntnisse der Geschichte, Politik und Wirtschaft anderer Länder sowie Netzwerke im Ausland sind ein grosser Vorteil auf dem Schweizerischen Arbeitsmarkt.

 

Wir haben ein unmittelbares Interesse an einer engeren Vernetzung mit Europa im Bildungs- und Forschungsbereich. Die langfristige Sicherung und Erweiterung der internationalen Zusammenarbeit und Mobilität in der Bildung leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Wir sind davon überzeugt, dass eine vollständige Assoziierung am Folgeprogramm von Erasmus+ der Königsweg im Sinne dieses Ziels ist. Demgegenüber bringt die Schweizer Sonderlösung keine erkennbaren Vorteile und hat gewichtige Nachteile.

 

Im Grundsatz ist die Bedeutung von einem längeren Aufenthalt in anderen Sprachregionen oder im Ausland unbestritten, wie etwa auch die Verabschiedung der nationalen «Strategie für Austausch und Mobilität» zeigt. Mit der aktuellen Schweizer Lösung wird dieses Ziel aber eher behindert als gefördert. So ist der Zugang zu den Aktivitäten des europäischen Programms eingeschränkt. Dadurch gehen Chancen zur internationalen Vernetzung und zur Weitergabe von Know-how, z.B. in der Berufsbildung, verloren. Beispielsweise hat die Schweiz keinen Zugang zu einzelnen ergänzenden Angeboten, wie zum Beispiel die kostenlose Online-Sprachunterstützung. Kooperationsprojekte unter Leitung einer Schweizer Institution sind zudem nicht möglich.

 

Vielfältig sind auch die Vorteile, die sich bei einer Vollassoziierung am Folgeprogramm zu Erasmus+ bieten. Unsere Hochschulen gewinnen an Attraktivität, weil die Schweiz vollwertiges Mitglied wird. Gleichzeitig kann unnötige Bürokratie vermieden werden. Bei der Wahl von Partneruniversitäten haben Studierende und Lehrende mehr Auswahl. Internationale Projekte mit unseren europäischen Partnern und daraus entstehende Synergien werden erleichtert, ebenso wie der Zugang zu digitalen Tools. Ähnlich attraktiv ist eine Vollassoziierung auch in den Bereichen der Berufsbildung sowie der schulischen und ausserschulischen Bildung: erleichterter Zugang zu Austauschprogrammen, Fort- und Weiterbildungsaufenthalte, Erwerb von Kompetenzen, Austausch von Innovation und Methoden, Verbesserung von Wettbewerbsfähigkeit und Employability, attraktives/dynamisches Umfeld, Zugang zu vernetzenden Aktivitäten, Plattformen und digitalen Tools, Qualitätssteigerung, Lancierung von Kooperationsprojekten, stärkere Beteiligung der jüngeren Generationen am gesellschaftlichen Leben etc..

Mehr Europa wagen!

Eine engere und stabilere Vernetzung in Europa ist eine enorme Chance für die Schweiz. Wir treten den Abschottern von links und rechts entschieden und optimistisch entgegen. In der Schweiz darf nicht die Haltung Überhand nehmen, dass ein Rahmenabkommen mit der Europäischen Union ein notwendiges Übel ist. Die Grünliberalen verlangen vielmehr einen Chancendiskurs Europa. Wir wollen mehr Europa wagen.

Unsere Europa- und Aussenpolitik

Unser Land gehört wirtschaftlich, sozial und politisch zu den am stärksten vernetzten Ländern der Welt. Wir setzen uns für diese Vernetzung und einen nachhaltigen Freihandel ein, weil sie für die Zukunft der Schweiz unverzichtbar sind. Und wir wollen mehr Europa wagen!